Arschkalt (Film)

„Arschkalt“ ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahr 2011. Hauptdarsteller Herbert Knaup zeigt in seiner Rolle als Lebensmittellieferant seinem neuen Kollegen, gespielt von Johannes Allmayer, die kalte Welt der Tiefkühlkostfahrer. Die melancholische Komödie über die Angst vor dem Scheitern und kleinen Fluchten wurde von André Erkau inszeniert, der auch das Drehbuch schrieb.

Arschkalt
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Arschkalt – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Herbert Knaup ist als Darsteller des Tiefkühlwagenfahrers Rainer Berg, bei dem nicht nur die Ladung frostig ist, perfekt besetzt. Knaup zeigt sich in seinen Rollen gern als Ekel, das sich nach einer Vielzahl bissiger Bonmots zum besseren wandelt. So auch in „Arschkalt“. Der neue Kollege, den Berg von seiner neuen Chefin (gespielt von Elke Winkens) an die Seite gesetzt bekommt, ist das genaue Gegenteil. Johannes Allmayer spielt den übermotivierten Tobias Moerer als passenden Gegenpol zum vom Leben enttäuschten Berg. Der gelernte Schauspieler und Regisseur André Erkau schrieb das Drehbuch und führte auch Regie.

Sein Film „Selbstgespräche“ von 2008 wurde bereits mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet. Gedreht wurde „Arschkalt“ vollständig in Deutschland, vor allem in Bremerhaven und Schleswig, wo der dortige Wikingturm im Zusammenhang mit Rainer Bergs Wohnort zu sehen ist. Für die Szenen im Altenheim, in dem Rainer Bergs Vater seinen Lebensabend verbringt, stellt Schloss Loburg bei Ostbevern die Kulisse. „Arschkalt“ ist also eine (zumindest bezüglich des Drehorts) rein norddeutsche Produktion, was natürlich bestens zur Handlung passt.

Handlung & Story vom Film Arschkalt

Rainer Berg hatte große Fußstapfen zu füllen, als er die Nachfolge seines Vaters antrat, der als Gründer und Inhaber einer Fabrik für Plattenfroster jahrzehntelang in Norddeutschland erfolgreich war. Nach der Pensionierung übernahm Sohn Rainer die Geschäftsführung, doch die schlechte Wirtschaftslage und auch selbstverschuldetes Missmanagement führten das Unternehmen in die Pleite. Während Berg senior seinen Lebensabend ketterauchend im Altersheim genießt, ist sein Sohn mittlerweile zum Lieferant bei einem Unternehmen für Tiefkühlkost abgestiegen und leidet unter seinem Scheitern.

Seinem geliebten Vater hat er aus Fürsorge und wohl auch aus Scham, die Firmenpleite verschwiegen, obwohl er ihn oft besucht. Sein Misserfolg hat Rainer Berg offensichtlich zu einem tatsächlich arschkalten Menschenfeind werden lassen. Er ist mürrisch und unfreundlich zu seinen Arbeitskollegen und selbst den Kunden. Es wundert also kaum, dass er weder Freunde noch eine Beziehung hat. Da auch die Firma, für die er arbeitet, vom allgegenwärtigen Wirtschaftstief betroffen ist, wird Berg von der Unternehmensleitung die attraktive niederländische Managerin Lieke van der Stock als neue Vorgesetzte präsentiert.

Nachdem sich Berg in ihrer Hörweite nicht verkneifen konnte, Macho-Sprüche loszulassen, teilt sie ihm den etwas einfältigen, aber netten Tobias Moerer zu. Der ehemalige Friseur braucht das Geld, da er den Salon seiner Schwester in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat. Im Gegensatz zu Berg begegnet er diesen und anderen Schwierigkeiten jedoch mit naivem Optimismus. Berg, der immer darauf achtet, dass das Kühlhaus nicht nur kalt genug, sondern arschkalt ist (was einer Temperatur von exakt – 18 °C entspricht) meldet sofort Widerspruch an, doch den duldet die neue Chefin nicht und macht ihm stattdessen klar, dass auch sein Arbeitsplatz von der erfolgreicher Einarbeitung Moerers abhängig ist.

Zähneknirschend akzeptiert Berg sein Los und weist Moerer in die Verkäufertätigkeiten ein. „Dieser Transporter ist zu klein für zwei!“ wehrt sich der kaltschnäuzige Berg anfangs noch gegen den Dampfplauderer Moerer, doch nach unzähligen verkauften Tiefkühlpizzen und Fischstäbchen entwickelt sich tatsächlich eine Art Freundschaft zwischen den ungleichen Männern und Berg beginnt aufzutauen. Doch da will Bergs Vater plötzlich seinen Geburtstag feiern. Störrisch beharrt er darauf, dass die Party in seinem alten Werk stattfindet. Nun in der Defensive, will Berg seinem Vater doch gestehen, dass die Firma nicht mehr existiert, dann aber erfährt er von einer Pflegerin, dass sein Vater Lungenkrebs hat und nicht mehr viel Zeit bleibt.

Das Geständniss, dass sein Lebenswerk ruiniert ist, will Berg seinem Vater nun doch ersparen und so beginnt er zu versuchen, dem alten Mann seinen Wunsch doch noch zu erfüllen. Zu allem Überfluss verschwinden auch noch Kisten mit gammeligem Tiefkühlfisch, doch mit der Hilfe seiner Chefin Lieke und seines Freundes Moerer gelingt es Berg unter den Kunden der Tiefkühlkette genug Statisten zu gewinnen, die die „Firmenfeier“ in der eigentlich stillgelegten Fabrik zu einer gelungenen Party werden lassen. Filmfreunden wird vor allem der Verweis auf „Monty Python´s wunderbare Welt der Schwerkraft“ gefallen, wenn Moerer den Statisten den englischen Satz „Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale“ beibringt. Non-sense-Humor trifft auf eine absurde Situation.

Als Lieke in die Niederlande zurück will, deutet Berg, der sich offensichtlich in sie verliebt hat, ihr in bekannt wortkarger Art kurz vor ihrer Abreise seine Zuneigung an. Lieke fährt dennoch für drei Monate in die Niederlande, beerdigt ihre Großmutter und regelt dort ihre Angelegenheiten, doch sie verspricht, zu Berg zurückzukehren. Zu guter Letzt gewinnt Moerer tatsächlich bei einem Radiogewinnspiel und kann so den Friseurbetrieb seiner Schwester retten.

Fazit & Kritiken zum Film Arschkalt

André Erkau erzählt in seiner lakonischen Komödie die Geschichte eines Mannes, der sich selbst schockgefroren hat, um sich gegen eine vermeintlich kalte Welt zu panzern, was zusammen mit dem kühlen, norddeutschen Flachland eine durchaus treffende Metapher ergibt. Auffallend sind die pointierten Dialoge, die Knaup sichtlich Spaß machen, doch hätte etwas mehr Vertrauen in die Bildsprache nicht geschadet.

Die Konfliktlösung gerät zudem etwas leicht und die Moral von der alles ändernden Liebe ist so flach wie eine Tiefkühlflunder, würde Rainer Berg sagen… Doch es sei verziehen, denn Herbert Knaups Spiel ist souverän und glaubhaft und so erinnert „Arschkalt“ dann doch an die nordisch-melancholischen Filme eines Aki Kaurismäki und weiß, wie diese das Herz zu wärmen.

Weiterführende Links und Quellen

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