Eldorado (Film)

Das sagenumwobene Eldorado. Angeblich ein Land aus purem Gold, das jedem, der er es erreicht unendlichen Wohlstand verspricht. Schon die alten Konquistadore in Südamerika jagten diesem gigantischem Schatz in der Hoffnung hinterher, zu Ruhm, Macht und grenzenlosem Reichtum zu gelangen. So oder so ähnlich muss auch das europäische Festland auf zahlreiche Flüchtlinge wirken, die Tag für Tag lebensbedrohliche Reisen Richtung Festland auf sich nehmen. Beflügelt von Geschichten, dass auf der anderen Seite des Meeres ein besseres Leben auf sie wartet.

Eldorado
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Mit Versprechen von Reichtum und Wohlstand. Doch die wenigsten finden dieses Glück überhaupt. Für viele endet sogar schon die Reise tödlich. Diesen beschwerlichen Reisen und den damit verbundenen Schicksalen nimmt sich der Regisseur Markus Imhoof auf sehr eindringliche und persönliche Weise in seinem Film Eldorado an.

Eldorado – Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Innerhalb seines essayistischen Dokumentarfilms verflechtet der Regisseur und Drehbuchautor Markus Imhoof Begebenheiten seiner eigenen von Flucht und Vertreibung geprägten Jugend mit hochaktuellen Flüchtlingsgeschichten. So kommt es, dass lediglich zwei der auftretenden Figuren von Schauspielern verkörpert werden. Robert Hunger-Böhler, der Imhoof mimt und Caterina Genta, die das italienische Mädchen Giovanna darstellt, das aus dem vom zweiten Weltkrieg geplagten Mailand flüchten musste und in Imhoofs Familie aufgenommen wurde.

Bei den restlichen auftretenden Akteuren handelt es sich ausschließlich um real existierende Personen mit wahrhaftigen Schicksalen. So wie etwa Hans-Jürg Käser, Regierungsrat in Bern oder Tiziana Manisko, die als Marine-Ärztin tätig ist und Flüchtige versorgt. Gedreht wurde die Dokumentation unter anderem auf dem Mittelmeer, direkt auf den völlig überfüllten Flüchtlingsbooten, aber auch in Italien, Deutschland, der Schweiz und dem Libanon. Immer nahe an den bewegenden Einzelschicksalen der flüchtigen Menschen.

Handlung & Story vom Film Eldorado

Die Schweiz im Winter des Jahres 1945. Inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges steht die Mutter von Markus Imhoof am Bahnhof und wartet. Auf die Menschen, die sich dazu gezwungen sahen das zerbombte Mailand zu verlassen. Sie begegnet der jungen Giovanna. Das Mädchen ist verwahrlost und völlig abgemagert. Imhoofs Mutter entschließt sich dazu das Mädchen aufzunehmen und aufzupäppeln. Trotz knapper Lebensmittel und finanzieller Nöte. Giovanna wird herzlich in die Familie aufgenommen, entwickelt sich sogar zu einer Art großer Schwester für Markus Imhoof.

Nach dem Ende des Krieges kehrt Giovanna zurück nach Italien. Nicht zuletzt dank ihrer tiefen Verbundenheit pflegen sie und Imhoof regen Briefkontakt. Doch die Geschichte nimmt ein tragisches Ende. Diese Ereignisse lassen den preisgekrönten Regisseur bis heute nicht los. Und so merkt man dem Film auch in jeder Szene an, dass Markus Imhoof mit den Themen Flucht und Vertreibung ein tief verwurzeltes, persönliches Anliegen verbindet. Auf den Spuren von Flüchtigen, so wie einst Giovanna, begleitet Imhoof unter anderem die Mission “Mare Nostrum”, die unter italienischer Flagge durchs Mittelmeer schipperte, um zahllose Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Allerdings wohnt der Filmschaffende nicht nur der Rettung von Tausenden bei, sondern er stellt auch diverse Einzelschicksale dar, die die Migrationskrise in ihrem gesamten Spektrum ablichten. Wie etwa einen senegalesischen Bauern, der freiwillig aus der Schweiz ausreist, weil ihm von der Regierung eine Rückkehrprämie von 3000 Schweizer Franken geboten wird. Wieder in seiner Heimat angekommen, erwirbt er zwei Milchkühe, um die Milch dort zu verkaufen. Nur um festzustellen, dass ihm der Verkauf keinen Gewinn einbringt, da der Milchexport aus Europa nach Afrika von der EU subventioniert wird und so die Preise im Senegal zerstört.

Oder das Schicksal des Mädchens Rahel aus Eritrea, das während ihrer Flucht in einem libanesischen Gefängnis zur Prostitution gezwungen wurde. Sie findet eine Arbeit als Hilfspflegerin in der Schweiz, doch muss mit einer Abschiebung rechnen. mit der Begründung, dass die Ereignisse während ihrer Flucht keinen triftigen Asylgrund darstellen. Dann wären da noch weitere aus Afrika stammende Flüchtlinge, die eben erst in Italien angekommen zur Ernte von Tomaten eingesetzt werden. Die daraus hergestellten Produkte sind dank europäischer Subventionen dann derart günstig, dass sie nach Afrika exportiert werden.

Wo dann, ähnlich wie beim senegalesischen Milchbauern, die Preise vor Ort kaputt gemacht werden. Sodass die afrikanischen Tomaten, die teils unter an Sklavenarbeit erinnernde Bedingungen abgeerntet werden den Preiskampf nur noch verlieren können. Von der Abschiebung der Vertriebenen in die Migranten-Ghettos ganz zu schweigen. Imhoof begleitet die gebeutelten Menschen von ihrer Rettung aus dem Meer bis zur Ankunft in die Erstaufnahmeeinrichtungen und schließlich bei den Versuchen sich in einem anderem, völlig fremden Land eine neue Existenz aufzubauen. Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Eldorado.
Dabei schlägt er immer wieder eine Brücke zu seiner eigenen Geschichte.

Fazit & Kritiken zum Film Eldorado

Mit Eldorado gelingt es Markus Imhoof das allseits präsente Flüchtlingsthema in einem kritischen, ja geradezu unbequemen Licht zu beleuchten. Imhoofs vielfältige Beobachtungen machen sehr eindeutig darauf aufmerksam was derzeit alles im Argen liegt. Dabei nimmt er sich der Thematik in sämtlichen Dimensionen und all ihren Aspekten an. Und auch wenn man auf Bilder trifft, die man so schon häufiger in den Nachrichten zu Gesicht bekam, so wirken sie durch den Blickwinkel des Regisseurs wesentlich unmittelbarer, eindringlicher und vor allem persönlicher als man sie je durch einen Nachrichtenbeitrag sehen durfte.

Dass sich Imhoof während der Dreharbeiten sogar regelmäßig selbst in lebensbedrohliche Situationen begab verdeutlicht nur noch mehr, wie wichtig ihm diese Angelegenheiten auf persönlicher Ebene sind. Zwar wird die Schweiz stellvertretend als Ankunftsland für die Flüchtlinge angeführt, dass ändert aber nichts daran, dass die behandelten Themen und Schicksale als universell angesehen werden sollten. Und auch wenn Imhoof auf äußerst unangenehme Themen wie Korruption, Machtmissbrauch und Ausbeutung aufmerksam machen möchte, liegt seinem Werk ein zutiefst humanistischer Appell zugrunde.

Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Menschlichkeit sind nur einige Botschaften, die der Regisseur ebenso erfahrbar machen möchte, wie die bewegenden Schicksale der Flüchtlinge oder die geradezu paradox wirkenden Mechanismen des europäischen Wirtschaftssystems. Somit präsentiert Imhoof bei all der Kritik ein durch und durch humanes Werk, das aktueller kaum sein könnte. Eldorado wurde überwiegend positiv aufgenommen und mit zahlreichen Preisen prämiert. IMDb etwa vergab eine Durchschnittswertung von 7,10 von 10 möglichen Sternen, während die Fachpresse vor allem das persönliche Leitmotiv und die kritische, facettenreiche Darstellung der Thematik im besonderen Maße hervorhebt.

Weiterführende Links und Quellen

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